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Neuer Coach legt Fokus auf die Abwehr

Erschienen bei FREIE PRESSE am 19.05.2021

Vasile Sajenev ist der neue Trainer der Sachsenliga-Handballer des Zwönitzer HSV. Neu ist er im Verein keineswegs - und auch als Coach bringt er viel Erfahrung mit.

Foto: Ralf Wendland

Text von Jürgen Werner
 
Mit Vasile Sajenev hat ein ehemaliger Zwönitzer Aktiver das Steuerruder beim HSV übernommen. Der 50-Jährige hat als Handballtrainer viel vorzuweisen - und soll für eine von Beginn an angstfreie Saison sorgen.

Zwönitz:
Es gibt Trainer-Verpflichtungen, die überraschen. Und es gibt jene, bei denen es eher erstaunt, dass sie bislang noch nicht zustande gekommen sind. Seit sieben Jahren lebt mit Vasile Sajenev ein renommierter Handballcoach in Zwönitz. Von 2009 bis 2013 ließ der 96-fache rumänische Nationalspieler seine Karriere beim HSV ausklingen und fungierte in seiner letzten Saison sogar als Spielertrainer. Die alleinige Verantwortung hatte er danach aber nur bei anderen Vereinen inne.

So führte er erst den HC Glauchau/Meerane auf Platz 3 der Mitteldeutschen Oberliga, bevor ihm im vergangenen Jahr in derselben Spielklasse mit dem HC Einheit Plauen der Klassenerhalt gelang. Nach diesem Kunststück - die Mannschaft galt vor Saisonbeginn als sicherer Absteiger - verließ der 50-Jährige die Vogtländer zu deren Überraschung wieder und nahm eine Auszeit. "Ich war die Pendelei leid", sagt er lakonisch. Als neuer Coach des Sachsenligisten aus Zwönitz hat er das Problem nun nicht mehr. Statt 65 Kilometer beträgt die Distanz von seiner Wohnung bis zur Sporthalle nur noch rund 200 Meter. Ein kurzer Fußmarsch. Der HSV war nach dem gescheiterten Experiment mit Ex-Spieler Bill Hofmann auf der Bank auf Trainersuche. Zwar kehrte dessen Vorgänger Frank Riedel im Anschluss noch einmal ins Amt zurück - aber nur interimsweise, wie das Vereinsurgestein klar machte. So kam eines zum anderen. "Den direkten Kontakt zu Vasile hat Vereinschef Ralf Beckmann hergestellt", sagt Handball-Abteilungsleiter Steven Szpetecki.
 
Die Erwartungen an den neuen Mann am Steuerruder sind groß. Sajenev und sein Team sollen nicht nur die Klasse halten, sondern am Ende einen Platz im gesicherten Mittelfeld belegen. Der Coach indes weiß schon, worauf er den Fokus legen will. "Abwehrarbeit. Das ist das Wichtigste, die Basis jedes Erfolges", sagt er. Für die eigenen Treffer sollen vor allem Tempogegenstöße sorgen. "Im Vergleich zu meiner Zeit als Spieler ist der Handball viel schneller geworden", sagt der 1,95 Meter große Hüne, der einst im linken Rückraum wirbelte.
 
Mit Tommy Löbner besitzen die Zwönitzer auf dieser Position schon einen ungemein wurfgewaltigen Akteur, der wohl auch eine Liga höher locker mithalten könnte. Dennoch sind sich Sajenev und Szpetecki einig, gerade im Rückraum personell noch einmal nachlegen zu wollen. "Wir müssen uns breit aufstellen. Niemand sollte 60 Minuten durchspielen müssen", so der neue Coach, der den Kader und die Qualitäten der einzelnen Zwönitzer Spieler nun aber erst einmal kennenlernen will. Infolge der Corona-Pandemie war seit Oktober 2020 kein Training mehr möglich - und für den Erwachsenenbereich gibt es noch immer keine Öffnungsperspektive. "Kraft- und Lauftraining werden einen großen Raum einnehmen, gerade nach einer so langen Pause", kündigt Sajenev aber schon einmal an. Sein Trainingsplan sei freilich nicht in Stein gemeißelt. "Stand jetzt sind es laut Planungen des Verbandes noch vier Monate bis zum Saisonbeginn. Je nachdem, wann wir anfangen können, muss ich die einzelnen Phasen entsprechend anpassen."

Auf einen Co-Trainer legt der 50-Jährige im Übrigen keinen großen Wert. "Das müsste wirklich hundertprozentig passen, damit das funktioniert", sagt er. Auch im Jugendbereich des Zwönitzer Vereins will sich der neue Coach umschauen. Mit Marvin Prehl gibt es dort momentan ein großes Talent, das an das Sachsenliga-Niveau herangeführt werden soll. Und dann ist da noch der EHV Aue. "Dass ein Zweitligist in der Nachbarschaft spielt, betrachten wir nicht als Nachteil, sondern als Chance", so Szpetecki. Kommunikation und Kooperation seien allerdings ausbaufähig - und das Ausleihen von Spielern, "die in Aue nur die dritte oder vierte Geige spielen" aus Zwönitzer Sicht wünschenswert.

Ob Sajenev beim HSV eine Ära prägt oder nur eine Episode darstellt, weiß niemand. Sicher ist, dass der Informatiker, der in Glauchau arbeitet, nie Probleme hatte, sich auf neue Umgebungen oder Kulturen einzustellen. Vom rumänischen Timisoara wechselte er früh nach Spanien und dann nach Deutschland, wo er allein in der 2. und 3.Liga bei fünf Vereinen aktiv war. "Man muss sich immer anpassen, das hilft alles nichts." Ein Typ, der die Vergangenheit liebt, ist er ohnehin nicht - Kontakte zu früheren Mitspielern pflegt er kaum, Erfolge will er nicht herausheben. Nur der nächste Erfolg zählt. Beim Zwönitzer HSV würden sie sich darüber freuen.

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